April 2011



Welche Farbe hat Ihr Prototyp?

Obwohl fertige Spritzgussteile in verschiedenen Formen und Größen auftreten, sehen sie am Anfang alle ziemlich gleich aus – als Kunststoffgranulat. Die Grundfarbe des Granulats hängt vom verwendeten Kunststoff ab, bewegt sich aber auf einer monochromatischen Skala von Transparent über verschiedene Naturfarbtöne bis hin zu Schwarz (siehe Abbildung 1). Um dieses unscheinbare Granulat in das ganze Farbspektrum zu verwandeln, das aus der Spritzgussmaschine kommt, bedarf es des Zusatzes von Farbstoffen. Das kann in einem ganz einfachen Verfahren geschehen oder auch ziemlich kompliziert sein. Dabei kommt es darauf an, wie wichtig für Sie die Farbgebung ist.

Abbildung 1: Grundfarben der Kunststoffe in ihrer ursprünglichen Granulatform. Acryl (transparent), ABS (natur) und Glasfasernylon (natur)

Abbildung 1: Grundfarben der Kunststoffe in ihrer ursprünglichen Granulatform. Acryl (transparent), ABS (natur) und Glasfasernylon (natur)


Prinzipiell gibt es zwei Verfahren zur Herstellung von farbigen Spritzgussteilen. Das einfachste Verfahren ist das Beimischen von Farbstoffgranulat (Masterbatch) zu einer Charge von Granulat, aus dem Ausgangskunststoff (siehe Abbildung 2). Wenn das Granulat erhitzt und zur Einspritzung in die Form komprimiert wird, schmelzen die Kunststoff- und Farbstoffgranulate und vermischen sich, bevor sie in die Form gespritzt werden.

Abbildung 2: Zur Herstellung farbiger Teile wird dem Ausgangskunststoff ein typisches Farbmittel in einer Konzentration von 2 %  beigemischt. Das Foto zeigt eine 2 %-ige Farbmischung.

Abbildung 2: Zur Herstellung farbiger Teile wird dem Ausgangskunststoff ein typisches Farbmittel in einer Konzentration von 2 % beigemischt. Das Foto zeigt eine 2 %-ige Farbmischung.


Wenn Sie zum Beispiel nur „rot“ benötigen, kann Protomold Ihrem Ausgangskunststoff ohne Zusatzkosten einen Farbstoff aus unserem Bestand beimischen (siehe Abbildung 3).


Wenn Sie eine bestimmte Farbe wünschen und deren RAL- oder Pantone-Nummer kennen, können wir diesen Farbstoff für eine geringe Zusatzgebühr für Sie kaufen. Welche genaue Farbe das Endprodukt haben wird, hängt allerdings auch vom Farbton des verwendeten Kunststoffes ab.

Abbildung 3: Dieses Plakettenmuster wurde durch Beimischung eines roten Farbgranulats, aus dem Bestand von Protomold, zu naturfarbenem ABS hergestellt.

Abbildung 3: Dieses Plakettenmuster wurde durch Beimischung eines roten Farbgranulats, aus dem Bestand von Protomold, zu naturfarbenem ABS hergestellt.


Wenn Sie sich dafür entscheiden, dass Protomold den Farbstoff beimischt, sollten Sie einige Dinge beachten:


  1. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Protomold keine exakte Farbabstimmung anbietet.
  2. Bei hellen Farben wirkt sich der Grundfarbton des Kunststoffes stärker auf die Endfarbe aus. Bei einer vorgemischten Farbe lässt sich das beim Compounding ausgleichen. Wenn Sie die Bestandsfarben von Protomold oder bestimmte Farbmittel verwenden, könnte dies jedoch auffällig sein.
  3. Da die Farbgranulate den Kunststoffgranulaten in einer Art „Pfeffer- und Salzgemisch“ beigefügt werden, kann es bei den Endprodukten zur „Wirbelbildung“ kommen (siehe Abbildung 4). Wie stark diese Wirbelbildung ist, hängt von mehreren Faktoren ab. „Warme“ Farben (Rot, Orange, Gelb) neigen stärker zur Wirbelbildung als „kühle“ Farben wie Blau und Grün. Da große Spritzgussteile einen größeren Anteil des Inhalts der Kammer verwenden, in der die Kunststoffgranulate geschmolzen und gemischt werden, neigen sie weniger zur Wirbelbildung als kleine Teile.
Abbildung 4: Beispiel für Wirbelbildung bei einem Nylonmaterial mit gelbem Farbstoff. Hätte sich der Kunde für einen vorgemischten Kunststoff entschieden, hätte dieser Effekt vermieden werden können.

Abbildung 4: Beispiel für Wirbelbildung bei einem Nylonmaterial mit gelbem Farbstoff. Hätte sich der Kunde für einen vorgemischten Kunststoff entschieden, hätte dieser Effekt vermieden werden können.


  1. Wenn Sie keine vorgemischten, farbigen Kunststoffe verwenden, besteht das Risiko, dass der Farbton der einzelnen Chargen bzw. Spritzgussteilen nicht einheitlich ist. Aus diesem Grund empfehlen wir das Standard-Mischungsverhältnis von2 % Farbstoff (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Farbstoff wird mit Kunststoff im Verhältnis von 1 und 2 Prozent gemischt. Je weniger Farbgranulat im Pfeffer-Salz-Gemisch enthalten sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer ungleichmäßigen Verteilung.

Abbildung 5: Farbstoff wird mit Kunststoff im Verhältnis von 1 und 2 Prozent gemischt. Je weniger Farbgranulat im Pfeffer-Salz-Gemisch enthalten sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer ungleichmäßigen Verteilung.


  1. Bestimmte Ausgangskunststoffe vertragen sich mit Farbstoffen nicht gut. Dazu gehören zum Beispiel Hochtemperatur-Nylon und Polycarbonat. Gegen eine geringe Gebühr kann Protomold für Sie einen kunststoffspezifischen Farbstoff kaufen.
  2. Schließlich kann es sein, dass bestimmte Eigenschaften des Kunststoffes, wie zum Beispiel UV-Schutz, Flammhemmung sowie die Kompatibilität für medizinische Anwendungen oder den Lebensmittelsektor, durch den ausgewählten Farbstoff beeinträchtigt werden. Das Angebot von Protomold umfasst keine Farbstoffe, die speziell zur Beibehaltung dieser Eigenschaften konzipiert sind.

Wenn Sie eine genaue Anpassung an das Blau Ihres Firmenlogos oder zum Beispiel auch die Kappe einer Spraydose für Lackfarbe benötigen, wird das Verfahren ein wenig komplizierter. Aber es gibt eine Lösung: vorgemischte Kunststoffe, die von Spezialanbietern bezogen werden können. Die Vormischung besteht aus Farbstoff und Ausgangskunststoff. Diese wird geschmolzen und der Kunststoff extrudiert. Anschließend wird er wieder granuliert und dieser Vorgang so oft wiederholt, bis eine gründliche Mischung erzielt wurde (siehe Abbildung 6). Bei Bedarf kann die Mischung während dieses Prozesses den genauen Vorgaben des Kunden angepasst werden. Anbieter wie Albis und Plastribution können praktisch jede Farbe in einer Vielzahl von Kunststoffen abgleichen und dabei die kritischen Eigenschaften des Kunststoffes beibehalten (die Kontaktlisten finden Sie weiter unten). Da der Farbstoff in dem Granulat gleichmäßig verteilt ist, kommt es weder zur Wirbelbildung noch zu Farbunterschieden bei den Fertigteilen. Protomold kann diese vorgemischten Kunststoffe zur Herstellung von Spritzgussteilen verwenden. Als Kunde genießen Sie alle Vorteile des Schnellspritzgießens und erhalten die genau abgeglichene Farbe sowie alle notwendigen Materialeigenschaften.

Abbildung 6: Für Spritzgussteile mit dem richtigen Farbton liefert ein Kunde vorgemischtes blaues PC an Protomold.

Abbildung 6: Für Spritzgussteile mit dem richtigen Farbton liefert ein Kunde vorgemischtes blaues PC an Protomold.


Kurz gesagt, wenn Sie ungefähre Farbtöne für ein allgemeines Erscheinungsbild oder aus anderen Gründen benötigen, kann Ihnen Protomold ohne Zusatzkosten ein Farbstoffsortiment anbieten.


Wenn Sie eine bestimmte RAL- oder Pantone-Farbnummer brauchen, kauft Protomold gegen einen geringen einmaligen Aufpreis den bestimmten Farbstoff für Sie ein. Allerdings können wir aus den oben genannten Gründen keine präzise Farbabstimmung garantieren.


Wenn Sie spezielle, genau abgestimmte Farben, maximale einheitliche Durchfärbung und die Wahrung spezieller Kunststoffeigenschaften benötigen, können externe Anbieter farbige Kunststoffe liefern und Protomold übernimmt die Fertigung der Spritzgussteile. Bei Fragen wenden Sie sich jederzeit an unsere Kundendienstmitarbeiter unter +49 (0) 6261 6741 768.


Auf Eigenschaften basierende Suchmaschine für Werkstoffe:

  • Matweb: Datenbank der Materialeigenschaften mit Datenblättern zu thermoplastischen und wärmehärtenden Polymeren, Metalllegierungen und anderen Werkstoffen
  • IDES: Kostenlose Kunststoff-Datenblätter für OEMs

Links zu Kunststoff-Anbietern:

  • Abbey Polymers: Anbieter von thermoplastischen Elastomeren (formbarer Kautschuk)
  • Albis: Makrolon® Polycarbonat, Bayblend® Polycarbonat-/ABS-Gemisch
  • Dupont Plastics: Delrin-Acetal, Zytel-Nylon usw.

Links zu Anbietern von Farbstoffen/Farbanpassung:

  • Colour Tone Masterbatch: Kundenspezifisch formulierte Einfärbungssysteme und Additiv-Masterbatchs für Kunststoffe
  • Plastribution: Kunststoffadditive und vorgemischte Spezialkunststoffe.