Oktober 2011



Von Formoberflächen und Teileoberflächen

Das Kunststoffverhalten kann auf unterschiedlichste Weise gemessen werden und viele Eigenschaften sind in Datenblättern zu finden. Eines der Merkmale, die sich schwieriger in Zahlen ausdrücken lassen, ist die Oberflächenqualität, die häufig gegenüber funktionaleren Eigenschaften in den Hintergrund tritt.


Viele Faktoren tragen zum Aussehen eines fertigen Teils bei – z.B. die Kunststofffarbe oder die Tendenz zu Einsinkungen oder einem „Orangenhauteffekt“ (Struktur ähnelt der beuligen Oberfläche einer Orange) – doch die Oberflächenqualität der Form selbst kann ein Hauptfaktor sein. Das Problem ist, dass die Formoberfläche nicht immer der Teileoberfläche entspricht. Bei Kunststoffen wie Polycarbonat und ABS fällt die Formoberfläche in der Regel ziemlich identisch aus. Bei glasfaserverstärktem Nylon hingegen wird die Oberflächenqualität mehr durch den Glasgehalt als durch die Formoberfläche beeinflusst, auch wenn die meisten Anwender sein unattraktives Aussehen als geringen Preis für seine hohe Festigkeit betrachten. Ähnlich verhält es sich mit dem thermoplastischen Elastomer Santoprene: es besitzt immer mehr oder weniger dieselbe Oberflächenqualität, egal wie die Oberfläche der Form aussieht, bietet dafür jedoch eine Flexibilität und Schlagzähigkeit, die nur wenige andere Kunststoffe erreichen. Zwischen diesen beiden Extremen besitzen Kunststoffe wie Acetal und HDPE hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes sowohl Stärken als auch Schwächen. Sie sind eine vernünftige Wahl, wenn das Aussehen bei der Kunststoffauswahl zwar eine Rolle spielt, jedoch nicht an erster Stelle steht. Kurzum, wenn es auf das Aussehen ankommt, sollten Sie nicht davon ausgehen, dass die Formoberfläche exakt das Resultat bestimmt. Wenn Sie eine bestimmte Oberflächenqualität benötigen, wählen Sie einen Kunststoff, der diese Oberfläche genau reproduziert.


Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie stark die Oberflächentreue variieren kann, haben wir eine neue Designhilfe, das Protogami, entwickelt. Es besteht aus sechs miteinander verbundenen tetraedrischen Pyramiden, die in vier verschiedene Konstellationen gedreht werden können.

Protogami, die neueste Designhilfe von Proto Labs.

Protogami, die neueste Designhilfe von Proto Labs.


Jeder Tetraeder zeigt vier verschiedene Oberflächenqualitäten eines bestimmten Kunststoffs:


  • SPI-A2: Diamantpoliturscheibe, Grad Nr. 2, 1-2 Ra
  • PM-F0: nicht kosmetisch—Oberflächenqualität nach Protomolds Ermessen
  • SPI-C1: 600er Körnung, 10-12 Ra
  • PM-T2: Protomold-Oberflächenstruktur, SPI-C1, anschließend mittleres Perlstrahlen

Jede der vier Konfigurationen des Protogami zeigt sechs verschiedene Kunststoffe in einer bestimmten Oberflächenqualität. Die Kunststoffe sind:


  • ABS
  • Acetal
  • Polycarbonat (PC)
  • Thermoplastisches Elastomer (TPE)
  • Glasfaserverstärktes Polyamid (PA-GF)
  • Polyethylen hoher Dichte (HDPE)

Neben Kunststoffen und Oberflächenqualitäten veranschaulicht das Protogami Clip-Ausführungen, aktive Gelenke, die Herausforderung beim Arbeiten mit mehreren Kunststoffen und das Design für eine einfache Montage. Fordern Sie Ihr eigenes (kostenloses) montagefertiges Protogami an.


Lesen Sie diesen Blog über die Entwicklung des Protogami.