Juli 2013



Werkzeugherstellung und Werkzeugänderung

Der Sinn und Zweck der Prototypenherstellung ist es entweder zu bestätigen, dass Ihr Design Produktionsreife erlangt hat, oder Probleme zu erkennen, die noch korrigiert werden müssen. Wenn Probleme auftreten, werden Sie diese möglicherweise beheben und neue Teile bestellen. Hierfür kann entweder ein komplett neues Werkzeug oder ein zum Teil neues Werkzeug notwendig sein, oder aber die Korrektur lässt sich einfach durch Änderung des bestehenden Werkzeugs erreichen, was Zeit und Kosten spart.



„Stahlsicher“ ist der gängige Begriff für Änderungen, bei denen Material (in vielen Fällen Stahl) vom Werkzeug weggenommen werden kann, um ein Design zu optimieren. Da Protomold nicht zwangsläufig Stahl für die Werkzeuge verwendet, benutzen wir den Begriff „metallsicher“. Wenn Sie glauben, dass das Werkzeug zur Änderung Ihres Designs eventuell optimiert werden muss, sollten Sie versuchen, Ihr Design metallsicher zu machen. Da Metall von dem Werkzeug zwar entfernt, jedoch nicht leicht hinzugefügt werden kann, sollten Kavitäten, Rippen, Wände und Versteifungen in Ihrer ersten, möglicherweise zu ändernden Version zunächst kleiner ausfallen als in einer veränderten Version. Die Grundregel lautet, dass wir bei einer Werkzeugänderung normalerweise Kunststoff hinzufügen können, während es sehr schwierig sein kann, Kunststoff wegzunehmen. Denken Sie daran, dass - wie nachfolgend beschrieben - nicht alle Änderungen durch die Veränderung eines bestehenden Werkzeugs erreicht werden können.


Wenn Sie beschlossen haben, es mit einer Werkzeugänderung zu versuchen, gibt es ein paar wichtige Punkte, die Sie berücksichtigen sollten.


MINDESTSCHNITTTIEFE:

Beim Fräsen von Werkzeugen zum Ändern der Teilegeometrie gibt es Mindeststufen für das Entfernen von Metall. Wir können beispielsweise ziemlich sicher 0,25 mm Metall von einem bestehenden Werkzeug wegnehmen, während das Entfernen von weniger Material aufgrund der zum Fräsen erforderlichen Mindestschnitttiefe sehr schwierig sein kann.


TRENNEBENEN-ÄNDERUNGEN:

Beim Erweitern eines Teils an der Trennebene ist fast immer ein neues Werkzeug notwendig, da hiervon Werkzeugmerkmale, wie Anguss und Entlüftung, betroffen sein können. Angüsse sind Kanäle, die sich häufig an der Trennebene befinden und an denen der Kunststoff beim Einspritzen in die Kavität des Werkzeugs eintritt. Entlüftungen sind sehr kleine, in die Trennebene gefräste Kanäle, über die die während des Einspritzens von Kunststoff eingeschlossene Luft entweichen kann. Entlüftungen sind um den Umfang des Teils angeordnet und können im Nachhinein in der Regel nicht mehr verlegt oder verändert werden. Wenn die Trennfuge nicht planar ist, kann das Formschlussdesign der Trennebene außerdem eine Erweiterung der Kontur ausschließen.


HINTERSCHNEIDUNGEN:

Das Verfahren von Protomold ist auf Zeit- und Kostenersparnis ausgelegt und lässt keine umfangreichen Änderungen, wie das Hinzufügen von Seitenschiebern bei bestehenden Werkzeugen zu. Häufig kann jedoch eine gesamte Seitenschieberfunktion ersetzt werden, wenn dies ohne die Änderung der restlichen Trennebene möglich ist.


KUNSTSTOFFAUSWAHL:

Kunststoff schrumpft beim Abkühlen; die Werkzeuge werden daher übergroß hergestellt, damit das Teil auf die gewünschte Endgröße schrumpfen kann. Unterschiedliche Kunststofftypen schrumpfen unterschiedlich stark. Wenn Sie vorhaben, Prototypen aus mehreren Kunststoffen herzustellen, planen Sie keine Werkzeugänderung ein, um verschiedenen Schrumpfraten gerecht zu werden. Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, ein Werkzeug an alle Größenveränderungen anzupassen, die bei unterschiedlichen Schrumpfraten auftreten. Eine einfachere Möglichkeit, unterschiedliche Kunststoffe in einem Werkzeug zu testen ist, das Design auf den Kunststoff mit der höchsten Schrumpfrate abzustimmen und das Werkzeug nach und nach für Teile, deren Kunststoffe weniger stark schrumpfen, zu zufräsen. Wenn Sie dann Ihre endgültige Kunststoffauswahl getroffen haben, können wir ein Werkzeug fräsen, das an die Schrumpfrate dieses Kunststoffs angepasst ist.


VORAB UND AUSREICHEND INFORMIEREN:

Schließlich, und das ist von entscheidender Bedeutung, können wir nicht die Notwendigkeit zukünftiger Werkzeugänderungen vorhersehen, wenn Sie uns nicht darauf hinweisen. Solange Ihr Design in ein Werkzeug gefräst werden kann, d.h. ProtoQuote® keine „erforderlichen Änderungen“ verlangt, gestalten wir das Werkzeug Ihrem Design entsprechend. Sie sollten mögliche Änderungen daher mit einplanen; bei Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter. Die gute Nachricht ist, dass wir – wenn eine Designänderung ein neues Werkzeug oder die Änderung des alten Werkzeugs notwendig macht – je nach Art der Änderung oft nur eine Hälfte des Werkzeugs ändern oder neu herstellen müssen, was sowohl Zeit als auch Kosten spart. Daher ist es wichtig, dass Sie uns in Ihr Design einweihen und sicherstellen, dass wir die Bereiche einer möglichen Änderung kennen. Nur so können wir Ihnen dabei helfen, spezielle Vorkehrungen zu treffen, um ein Teil herzustellen, das zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls geändert werden kann.


ANGEBOT FÜR EINE WERKZEUGÄNDERUNG EINHOLEN:

Wenn Sie über die Änderung einer Form nachdenken, können Sie sich darüber informieren, ob Ihr neues Design durch Änderung des bestehenden Werkzeugs hergestellt werden kann. Am schnellsten und zuverlässigsten können Sie dies herausfinden, indem Sie ein überarbeitetes Modell hochladen. In My Account finden Sie unter „Angebote verwalten“ das Angebot für das Original-Werkzeug; klicken Sie dort auf den Hyperlink „Ein überarbeitetes Modell hochladen“. Oder suchen Sie die ursprüngliche E-Mail von ProtoQuote, öffnen Sie das ProtoQuote und klicken Sie im Abschnitt 3 auf den Link „Ein überarbeitetes Modell hochladen“. Langsamer und weniger zuverlässig ist es, einfach ein neues Modell hochzuladen und uns darauf hinzuweisen, nach dem entsprechenden Werkzeug zu suchen. Wie auch immer Sie uns das Modell zukommen lassen – wenn die Änderung für uns machbar ist, werden wir Ihnen ein entsprechendes Angebot vorlegen; anderenfalls unterbreiten wir Ihnen ein Angebot für ein neues Werkzeug.


Wir immer können Sie sich bei Fragen zu Hinterschneidungen, Trennfugen oder einer dieser Änderungen telefonisch unter der Nummer +49 (0) 6261 6436 947 an unsere Mitarbeiter des technischen Kundendienstes wenden.