September 2013



Wenn die „Seitenlage” angebracht ist

Stellen Sie sich vor, Sie würden einen einfachen zylinderförmigen Becher gießen. Der traditionelle Ansatz wäre eine zweiteilige Form, bei der die Außenseite des Bechers von der A-Seite (Düsenseite) und das Becherinnere von der B-Seite (Auswerferseite) geformt wird. Solange beide Seiten eine geeignete Formschräge haben, um den Auswurf aus der Form zu ermöglichen, ist alles sehr einfach. Wenn Sie den Becher aber mit einem C-förmigen Henkel versehen wollen, wird es gleich etwas komplizierter. Weil der Henkel als Hinterschneidung wirkt, legt man den Becher auf seine Seite, formt die Außenseite mit den A- und B-seitigen Formhälften, die am Henkel aufeinandertreffen, und verwendet zum Formen des Becherinneren einen Seitenschieber.


Ist dann ein Henkel gleichbedeutend mit einem Seitenschieber? Nicht unbedingt. Es gibt Fälle, in denen der Becher (oder ein Rohr oder ein ähnliches Teil) in „Seitenlage” gebracht wird und eine Seitenschieberfunktion benötigt, obwohl er keine Hinterschneidung in Form eines Henkels oder eines anderen Merkmals aufweist. Glücklicherweise brauchen Sie die Entscheidung, ob zum Fertigen eines Teils die Seitenlage erforderlich ist, nicht selbst zu treffen. ProtoQuote® übernimmt das für Sie und sendet Ihnen ein Angebot, das ein Seitenschieber enthält, obwohl Ihr Design keine Hinterschneidungen aufweist. Dieser Tipp soll Ihnen erklären, warum das vorkommen kann.

Abbildung 1

Abbildung 1


Der häufigste Grund für die Verwendung der Seitenlage für becherförmige Designs ist die Vermeidung von Problemen bezüglich der Positionierung von Anguss, Entlüftung und Auswerferstiften. In einer normalen zweiteiligen Form (siehe Abb. 1) befindet sich die Trennfuge zwischen den Formenhälften am Becherrand. In einem kleinen Becher von beispielsweise 20 mm Durchmesser entstehen dabei allerlei Probleme. Erstens ist der Ansatzpunkt für Auswerferstifte zum Auswerfen des Bechers aus der B-seitigen Formhälfte der Becherrand. Das ist bei einem größeren Becher oder Rohr kein Problem, die Wandung eines kleinen Bechers ist aber dünn und könnte von den Stiften beschädigt werden.


Dann ist da die Frage des Angusses. Ein Kantenanguss muss an der Trennebene entlang liegen. Da sich die Trennebene des Bechers in einer zweiteiligen Form aber am Becherrand befinden würde, müsste der Kunststoff an der dünnen Wand des Bechers entlang fließen und es wäre sehr wahrscheinlich schwierig, die Form zu füllen. Ungleichmäßiger Seitendruck könnte die Formenteile aus ihrer Solllage drücken, ungleichmäßiges Füllen der Form verursachen und einen Becher ergeben, der auf einer Seite dicker als auf der anderen ist. Der letzte Bereich, der sich mit Kunststoff füllen würde, wäre der Becherboden, wo die verdrängte Luft nirgendwo entweichen kann.


Bei einem großen Becher wäre die Lösung eine zweiteilige Form mit einem Heißkanalanguss in der Mitte des Becherbodens. Dadurch würde eine gründliche Füllung und gleichmäßige Verteilung des Kunststoffs sichergestellt und die Entlüftung entlang der Trennfuge ermöglicht. Leider funktioniert ein Punktanguss bei kleinen Teilen möglicherweise nicht. Wenn das Volumen des Teils nicht groß genug ist, um den Kunststoff des Heißkanalanguss komplett auszuspritzen, könnte sich zurückbleibender Kunststoff absetzen und das nächste gefertigte Teil beeinträchtigen.

Abbildung 2

Abbildung 2


Durch die Verwendung des Bechers in Seitenlage und den Einsatz eines Seitenschiebers zur Ausformung des Becherinneren werden alle diese Probleme gelöst (siehe Abb. 2). In diesem Fall verläuft die Trennebene über den Boden des Bechers, an den Becherseiten entlang und um den Becherrand. Eine über den Boden verlaufende Trennfuge ermöglicht die Verwendung eines Kantenangusses in der Mitte des Becherbodens. Dadurch werden mögliche Punktangussprobleme beseitigt und gleichzeitig eine gleichmäßige, gründliche Füllung gewährleistet. Die lange Trennfuge sorgt außerdem für günstige Entlüftungspunkte.


So löst die Seitenlage beim Formen Probleme, bietet aber auch Vorteile. Die Seitenlage und die Verwendung eines Seitenschiebers erhöht die fräsbare Tiefe eines Bechers erheblich und verringert die Notwendigkeit einer Formschräge. Der Protomold-Prozess kann nur auf eine Tiefe von 100 mm fräsen, ein mit einer zweiteiligen Form hergestellter Becher könnte daher nur so hoch sein. Ein Becher mit einer Tiefe zwischen 50 und 100 mm wäre fräsbar, würde aber eine Formschräge von 2 bis 3 Grad erfordern, was problematisch sein könnte. Wenn man allerdings die Seitenlage verwendet, gibt es keine senkrechten Außenseiten, die die Höhe des Bechers begrenzen oder eine Formschräge erfordern. Die Seitenschieberfunktion, mit der das Becherinnere geformt wird, hat dann immer noch senkrechte Seiten, anstatt einer Formschräge von 2 bis 3 Grad, wie sie gewöhnlich erforderlich ist, wenn das Becherinnere von einer Formhälfte geformt wird, würde sie aber eine Formschräge von nur ½ Grad erfordern.


Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Verwendung eines Seitenschiebers zwar die Kosten erhöhen kann, gleichzeitig aber auch bedeutende Vorteile realisieren und sich als lohnend erweisen kann. Wenn ProtoQuote Ihnen also unerwartet Seitenschieberfunktionen sendet und Sie Fragen haben sollten, können Sie uns gerne kostenlos anrufen unter +49 (0) 6261 6436947.