November 2013



Lange und kurze Seitenschieber

Neue Formeinsätze ermöglichen lange Seitenschieberfunktionen

Die Mechanik von Seitenschiebern in einem Werkzeug lässt sich vereinfacht folgendermaßen beschreiben: Der Seitenschieber wird in das Werkzeug geschoben, um z.B. ein Durchgangsloch zu erzeugen und fährt anschließend wieder zurück um den Kern aus dem Werkzeug zu entfernen. Innerhalb dieses Prozesses bei Protomold waren Seitenschieber traditionell auf eine gewisse Länge begrenzt. Bis jetzt.


Anfang des Jahres erweiterten wir unsere Möglichkeiten und sind nun in der Lage, längere Seitenschieber zu unterstützen. Dort, wo die maximale Länge für Seitenschieberfunktionen auf 74 mm begrenzt war, bieten wir jetzt Verlängerungen bis 200 mm, je nach Geometrie des Werkzeugs, an. Die ursprüngliche Seitenschieberfunktion wird weiterhin verwendet, um den Rückzug des Seitenschiebers zu erleichtern, da es physikalisch schwierig wäre, sie ohne die mechanische Hilfe von Hand zurückzuziehen. Der Bearbeiter setzt anschließend den Seitenschieber wieder in das Werkzeug ein und der Vorgang beginnt von vorne.


„Im Wesentlichen haben wir das Verfahren eines losen Formeinsatzes mit unserer Seitenschieberfunktion kombiniert, sodass längere Funktionen möglich sind“, erklärt Christian Haase, Leiter des technischen Kundendiensts.


Das sind gute Neuigkeiten für alle, deren Teiledesigns längere Durchgangslöcher und Hinterschneidungen benötigen, da die Erweiterung tiefere Geometrien in Teilen, wie z.B. Rohren oder Muffen, unterstützt.


Die Geometrie des Formeinsatz-Seitenschiebers ist in der Regel rund (siehe Abbildung 1) oder viereckig und vorzugsweise an beiden Enden geöffnet, sodass der Kern zwischen beiden Hälften des Werkzeugs unterstützt wird. Wenn ein Teil ein geschlossenes Ende besitzt, kann der innere Kern sich biegen und eine unerwünschte dünne Wand erzeugen. Gleichwohl ist Protomold nach einer Prüfung offen für unterschiedliche Geometrien und bei einem speziellen Design ist es durchaus erwünscht, mit einem Mitarbeiter des technischen Kundendienstes Rücksprache zu halten.

Abbildung 1: Das bernsteinfarbene Teil wurde für Seitenschieberfunktionen mit Formeinsatz verwendet, um ein längeres Durchgangsloch herzustellen.

Abbildung 1: Das bernsteinfarbene Teil wurde für Seitenschieberfunktionen mit Formeinsatz verwendet, um ein längeres Durchgangsloch herzustellen.


Teile, bei denen auf diese Zusatzfunktion zurückgegriffen wird, sind in der Regel an einem Ende größer, d.h. dass für den Seitenschieber eine Formschräge vorgesehen wurde (siehe Abbildung 2). Speziell bei Formeinsatz-Seitenschiebern muss die Formschräge mindestens 1 Grad pro Seite bei schrumpfarmen Werkstoffen und 2 Grad pro Seite bei Werkstoffen mit hoher Schrumpfrate betragen. So haben Installationsrohre z.B. keine Formschräge, da sie von einem Ende zum anderen einen einheitlichen Durchmesser besitzen, wodurch sie sich schlecht für Formeinsatz-Seitenschieber eignen.

Abbildung 2: Das 2D-Bild zeigt einen Querschnitt des bernsteinfarbenen Teils mit Formschräge.

Abbildung 2: Das 2D-Bild zeigt einen Querschnitt des bernsteinfarbenen Teils mit Formschräge.


Die richtige Kunststoffauswahl spielt ebenfalls eine Rolle bei der optimalen Nutzung des Formeinsatz-Seitenschiebers. Steifere Kunststoffe, wie ABS, Polycarbonat und glasfaserverstärkte Werkstoffe eignen sich besser, da sie weniger schrumpfen und letztendlich weniger stark am Kern hängenbleiben. Polypropylene, Polyethylene und thermoplastische Elastomere (TPE) wiederum sind aufgrund ihrer größeren Schrumpfrate problematischer.


Formeinsatz-Seitenschieber können in manchen Teilen auch zur Herstellung von Kernen verwendet werden, wodurch weniger Material benötigt wird und problematische dünne oder dicke Bereiche wegfallen. Wie bei gewöhnlichen manuellen Einsätzen gibt es immer Begrenzungen; laden Sie Ihren nächsten Entwurf hoch und kommen Sie mit uns ins Gespräch.


Wenn Sie Fragen zum Design oder den Möglichkeiten unserer Verfahren haben, können Sie einen Mitarbeiter des technischen Kundendiensts von Proto Labs unter der Telefonnummer +49 (0) 6261 6436 947 kontaktieren. Weitere Ressourcen, z.B. zum Spritzguss- oder Prototypingverfahren, Kunststoffoptionen, Videotutorials und mehr finden Sie unter protomold.de.